Kommentare zur Unterneh-Manie in Deutschland
Zum Wohlstand der Nation
Hörsaal. Rednerpult.
Student.
Student: Verehrte Professoren und Dozenten,
meine Kommilitonen und Potenten,
werte Politiker und Verschwor'nen,
liebe Unternehmer und Auserkor'nen!
Zu schaffen der Nationen Wohl
ward Wirtschaft heut zum Monopol.
Kein Forscher, der zu lehr'n begann,
Kein Künstler und kein Pfarrersmann,
Kein Ingenieur, kein Programmierer,
auch Philosophen sind Verlierer -
Alles Menschen zweiter Sorte! -
Wer unternimmt, bringt uns vom Orte.
Einst mußten wir mit blauen Tuchen
als Timurhelfer Altstoff suchen.
Heut heißt man Gates das Ideal
und Idealisten labernd Qual.
Ob angestellt, ob arbeitslos,
ob noch Student, ob Schüler bloß -
einjeden packt der Gründerwahn:
Was Hype vermag, hier wird's getan.
Doch an Ideen fehlt's im Revier;
man holt sich geputzte Leute dafür.
Den Weg zum Glück soll'n sie uns weisen,
erzählen von des Reichen Reisen.
Drum freu ich mich, heut ist er hier:
Ein großer Mann, ein hohes Tier.
Wir wollen ihm das Wort gestatten:
Begrüßt mit mir den Herrn der Platten!
Der Unternehmer, dankend ans Pult tretend.
"Meine Damen und Herren, liebe Studenten,
liebe Kunden, Partner und Konkurrenten:
Die Aktie sinkt, die Firma wächst,
noch tut die Börse wie verhext,
nun solltet ihr Papiere kaufen,
bald wird der Kurs euch überlaufen!
(Und wenn es doch nicht so passiert,
habt ihr nicht richtig investiert!)
Nur frisch! Ich ruf's euch vehement:
Wer heute nach ganz oben rennt,
den hindert gar ein Fundament.
Nach außen tut nur akademisch,
allein im Kopf sei's euch bequemlich.
Ja, Sie brauchen gar nich so gucken, ich kenn das ...
So mancher will ewig! - im Kämmerlein bleiben,
statt frech und pragmatisch Geschäft zu betreiben.
Er weiß nicht vom Glücke der ersten Million,
verachtet am Ende gar weltlichen Lohn,
ein rührender Träumer, sein Ziel: Perfektion;
ist selig im Streben und erntet nur Hohn:
So kommt er doch nie auf den himmlischen Thron.
Ja, mancher hat da schon den kürzern gezogen,
zu weich waren wohl seine Ellebogen,
zu uneigennützig war gar sein Gemüt,
die Härte des Lebens zu spät ihm geblüht.
Drum macht euch nur frei, daß der Geist euch nicht zwinge,
Der Mensch sei der Zweck und das Maß aller Dinge,
Boxt frisch nur drauf los und verkündet ganz keck:
Der Mensch ist nur Mittel, das Geld ist der Zweck!
Und werdet ihr trotzdem mit Beulen geziert,
habt ihr wohl den Markt nicht recht analysiert:
Das Treiben wird euch wie in allem zur Qual,
fehlt es an Potenz und Erfolgspotential.
Wer schlau ist, sieht Chancen und reagiert schnell,
denn potentiell steigt alles exponentiell.
Drum fallen auch alle von vorn'rein durchs Sieb,
den' Marketing fremd ist und fremd der Vertrieb.
Oh, wahrlich, ich sage euch: Seid keine Narren,
die emsig an ihrem Produkte verharren.
Wollt ihr euch zerstreun - oder Sinnvolles machen?
So werdet pragmatisch, das Herz soll euch lachen:
Begehret, was man euch verwehren kann,
nie krieget genug, was ein andrer gewann.
Der Eifer des Kampfes wird euch dann berauschen,
nie wollt ihr ihn wieder mit Seelenglück tauschen.
Wie dumm wir doch warn! - also werdet ihr sagen,
nie wieder euch nach dem Moralleitsatz fragen.
Egoismus ist Wohlstand, schnell wird's euch bekannt:
Ihr seid doch der Daumen der unsichtbar'n Hand.
Dann tut ihr das Richt'ge, welch' ist's Objektive:
Zu steigen empor aus sozialer Tiefe,
zu lassen den Nachbarn gar blindlings zurück
(er könnt ja gefährden das eigene Glück),
zu wachsen, zu blähn sich mit schwellender Brust,
zu reden, worüber man niemals gewußt,
zu spielen das Herze voll menschlicher Liebe,
zu bergen geschickt monetäre Getriebe. -
Ja, wahrlich, ich sag's euch: Dies ist die Essenz:
Hochgradig erfolgreich macht mich, liebe Fans,
nur meine geniale Sozialkompetenz!
Applaus.
Student:
herunter
munter
Mechanisierung
Nervosität
Ideen ohne Materialismus
Handlungsfreiheit/Willensfreiheit
Produkt -> Marktsuche
Ellgogen -> Smith -> unwohlstand (ständig angebumst)
Vertrieb+Marketing
ideal. handlungsträger:
* soz. anerkennung